21. Januar 2026
Das brisante Thema CEO-Fraud hat sich weiterentwickelt. Wo früher gefälschte eMails und Social Engineering dominierten, liegen heute die eigentlichen Tatorte in Systemen, Datenflüssen und Berechtigungen. Der Beitrag zeigt, wie datenbasierter Betrug funktioniert, warum klassische Kontrollen versagen – und wie Datenforensik hilft, Wahrheit von Manipulation zu trennen. Wir zeigen, warum moderner Wirtschaftsbetrug seltener durch falsche Stimmen, dafür immer häufiger durch manipulierte Prozesse entsteht.
Kurz zur Erläuterung: CEO-Fraud beschreibt den Fall, dass Mitarbeiter eines Unternehmens auf vermeintliche Anweisung des Chefs sensible Daten herausgeben, Sicherheitsprozesse umgehen oder IT-Zugänge freischalten. Und zwar ohne zu merken, dass sie gerade – von Dritten – manipuliert werden. Das galt lange als psychologisches Delikt. Eine täuschend echte Mail. Ein angeblicher Anruf ‚vom Chef‘, Zeitdruck – und schon wird eine Überweisung ausgelöst. Diese Masche existiert noch, doch sie ist nicht mehr der Kern des Problems. Die neue Generation von Wirtschaftsbetrug ist leiser, technischer und deutlich schwerer zu erkennen. Der Betrug passiert nicht mehr im Posteingang, sondern im System.
CEO-Fraud 2.0
Im Zentrum von CEO-Fraud 2.0 stehen manipulierte Daten und Prozesse. Zahlungs-Freigaben werden nicht umgangen, sondern unauffällig angepasst. Rollen und Berechtigungen werden so verändert, dass kritische Vier-Augen-Prinzipien formal bestehen bleiben. Sie faktisch aber wirkungslos sind. Buchungstexte, Zeitstempel oder Protokolle werden gezielt verändert, um Transaktionen plausibel aussehen zu lassen. Für die Buchhaltung wirkt alles korrekt. Für das Controlling ebenfalls. Erst wenn Geld fehlt oder ein externer Hinweis kommt, beginnt die Suche.
Das Problem: Viele Unternehmen vertrauen ihren Systemen mehr als ihren Mitarbeitern. Ein genehmigter Workflow gilt als sicher, ein sauberer Report als wahr. Doch genau dieses Vertrauen wird ausgenutzt. Moderne Täter – intern wie extern – wissen, dass Daten als objektiv wahrgenommen werden. Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert die Realität.
Hinzu kommt: Die Trennung zwischen internen und externen Tätern verschwimmt. Externe Angreifer nutzen kompromittierte Zugänge, interne Akteure handeln aus Opportunität, Druck oder Frustration. In beiden Fällen hinterlassen sie Spuren – allerdings nicht dort, wo Unternehmen üblicherweise hinschauen. Nicht in der E-Mail, sondern in Logfiles. Nicht in der Rechnung, sondern im Berechtigungsmodell. Nicht im offensichtlichen Fehler, sondern in kleinen, systematischen Abweichungen.
CEO-Fraud: Wo wir wie ansetzen
In unserer Kern-Expertise, der Datenforensik betrachten wir Systeme als Tatorte und Daten als Beweismittel. Forensische Analysen rekonstruieren, wer wann welche Daten verändert hat, welche Prozesse untypisch liefen und wo sich Muster zeigen, die menschlich kaum erklärbar sind. Dabei geht es nicht um Schuld-Zuweisung, sondern um Fakten. Um belastbare Beweise, die auch vor Gericht Bestand haben.
Für Unternehmer und Geschäftsführer ist das entscheidend. Denn CEO-Fraud 2.0 ist kein reines IT-Problem. Es ist ein Governance-Thema. Wer nicht weiß, wie seine Daten entstehen, verarbeitet und abgesichert werden, trägt ein erhebliches Haftungs- und Reputationsrisiko. Klassische Prävention reicht nicht mehr aus. Es braucht technische Transparenz, saubere Protokollierung und die Fähigkeit, im Ernstfall schnell und beweissicher zu reagieren. Die gute Nachricht: Jeder Betrug hinterlässt Spuren. Die schlechte: Man muss wissen, wo man suchen muss.
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Wir von MAAX Forensik ermitteln Wirtschaftsstraftaten dort, wo andere nur Zahlen sehen. In Daten, Systemen und digitalen Prozessen. Mit moderner Datenforensik schaffen wir Klarheit, sichern Beweise. Vor allem aber helfen wir betroffenen Unternehmen, Kontrolle zurückzugewinnen. Bevor aus Verdacht ein Schaden wird.
2. Juli 2025
Wirtschaftskriminalität erreicht neue Höchststände – doch viele Mittelständler wiegen sich in Sicherheit. Warum das Risiko im eigenen Haus oft unterschätzt wird – und welche aktuellen Bedrohungen Unternehmen im Blick haben müssen.
Die aktuelle KPMG-Wirtschaftskriminalitätsstudie zeigt: Noch nie waren so viele Unternehmen von Betrug, Diebstahl, Korruption oder digitalen Angriffen betroffen wie 2024/2025. Besonders alarmierend: Der Mittelstand unterschätzt die Bedrohung im eigenen Haus – und reagiert häufig erst, wenn der Schaden längst entstanden ist. In diesem Artikel erfahren Entscheider, welche Täterprofile aktuell dominieren, welche Delikte auf dem Vormarsch sind – und mit welchen Maßnahmen Sie Ihr Unternehmen in unsicheren Zeiten gezielt schützen können.
Ein neuer Rekord – und niemand spricht darüber
Wirtschaftskriminalität ist kein exotisches Randthema mehr, sondern eine reale Bedrohung für den Unternehmenserfolg. Laut der aktuellen KPMG-Studie 2025 geben über 65 % der deutschen Unternehmen an, in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen geworden zu sein. Das sind mehr als je zuvor.
Der wirtschaftliche Schaden geht längst in die Milliarden – doch was noch gravierender ist: In vielen mittelständischen Betrieben fehlt das Problembewusstsein. Während Konzerne ganze Abteilungen für Compliance, Risikomanagement und Forensik aufbauen, bleibt der Schutz vor Wirtschaftskriminalität im Mittelstand oft lückenhaft oder reaktiv.
Interne Täter dominieren – und das aus gutem Grund
In über 50 % der Fälle stammen die Täter aus dem eigenen Unternehmen, was besonders erschreckend anmutet. Etwa aus Einkauf, Buchhaltung, Außendienst oder sogar aus der Geschäftsleitung. Jene Menschen verfügen schlicht über Wissen, Zugriffsrechte und Vertrauen. Ein unterschlagenes Lagergut, manipulierte Reisekosten oder stille Absprachen mit Lieferanten bleiben oft lange unentdeckt – insbesondere bei fehlender Kontrolle oder fehlendem Whistleblower-Schutz.
Auch bei den Deliktarten zeigen sich klare Entwicklungen: Vermögensdelikte wie Unterschlagung, Diebstahl und Spesenbetrug sind nach wie vor an der Tagesordnung – allerdings oft kombiniert mit digitalen Täuschungsmanövern. Gleichzeitig nehmen cyberbasierte Betrugsformen wie CEO-Fraud, manipulierte Rechnungen oder gezielte Übernahmen von E-Mail-Konten rasant zu. Im internationalen Einkauf werden Kick-back-Systeme und verdeckte Bestechung wieder häufiger beobachtet. Auch die Bilanzmanipulation erlebt – begünstigt durch wirtschaftlichen Druck – ein Comeback. Zudem steigt die Zahl unerlaubter Nebentätigkeiten, insbesondere im Homeoffice-Umfeld, wo Mitarbeitende sensible Daten abziehen oder in Nebengeschäften firmeneigenes Know-how nutzen.
Warum gerade der Mittelstand verwundbar ist
Viele mittelständische Firmen verlassen sich auf persönliche Loyalität, flache Hierarchien und das familiäre Betriebsklima. Doch genau darin liegt die Gefahr. Vertrauen ist wichtig. Wer aber Mitarbeitern – blind (!) – vertraut, übersieht oft die Notwendigkeit von Kontrollmechanismen, Zugriffsprotokollen und strukturierten Präventionssystemen. Hinzu kommt, dass die meisten Firmen verfügen weder über eine Compliance-Abteilung noch über forensisch geschultes Personal. Verdachtsmomente werden ignoriert – aus Unsicherheit, Bequemlichkeit oder Loyalität. Und so bleibt das Leck oft lange unentdeckt.
Typische Warnsignale – und was sie bedeuten können
Plötzliche Verhaltensänderungen bei Mitarbeitenden, etwa übertriebene Loyalitätsbekundungen oder ungewöhnliche Reaktionen auf Rückfragen, können ein erstes Anzeichen sein. Auch häufige Differenzen in Kasse oder Lagerbestand, fragwürdige Lieferantenverhältnisse ohne transparente Ausschreibung oder nächtliche Datenzugriffe sind Hinweise, denen man als Geschäftsleitung dringend nachgehen sollte.
Was Geschäftsführer und Entscheider jetzt tun können
- Risiko-Check durchführen lassen
Beauftragen Sie eine externe Prüfung Ihrer sensiblen Prozesse: Einkauf, Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Vertrieb. So erkennen Sie Schwachstellen, bevor Täter sie ausnutzen.
- Interne Kontrollsysteme (IKS) etablieren oder stärken
Ein funktionierendes IKS ist kein Bürokratiemonster, sondern ein Frühwarnsystem. Setzen Sie auf klare Freigabeprozesse, regelmäßige Zufallskontrollen und Vier-Augen-Prinzipien.
- Mitarbeiter schulen und sensibilisieren
Wirtschaftskriminalität beginnt oft mit kleinen Gelegenheiten. Wenn Ihre Teams die Risiken kennen, sinkt die Anfälligkeit deutlich.
- Hinweisgebersystem einführen
Das Hinweisgeberschutzgesetz verpflichtet viele Unternehmen inzwischen dazu – aber es bietet auch Chancen zur Aufdeckung interner Probleme, bevor es teuer wird.
- Frühzeitig Spezialisten einbeziehen
Wirtschaftsforensiker, Detektive oder externe Compliance-Berater sind keine Feuerwehr – sie sind Ihre Versicherung gegen den Kontrollverlust.
Objektivität ist Trumpf und Sicherheitsgefühl ist noch kein Sicherheitskonzept. Die aktuellen Zahlen sind ein Weckruf – gerade für Unternehmen, die sich bislang für ’nicht gefährdet‘ hielten. Wirtschaftskriminalität trifft nicht nur ‚die Großen‘ oder die anderen. Sie passiert. Leise, intern, oft gut getarnt. Mit dem richtigen Know-how, vor allem Vorbeugung, gezielter Aufklärung und einem wachsamen Blick lässt sich wirksam gegensteuern. Worin uns regelmäßig wirklich all Klienten Recht geben: Prävention ist immer günstiger als Aufklärung nach dem Schaden.
22. April 2025
Ein Maschinenbauer verschickt eine fünfstellige Rechnung – der Kunde zahlt prompt. Doch das Geld kommt nie an. Was ist passiert? Eine manipulierte E-Mail, eine geänderte IBAN und ein raffinierter Hackerangriff, der zeigt: Auch im Mittelstand ist digitale Sicherheit längst kein Nice-to-have mehr, sondern überlebenswichtig. Dieser Beitrag zeigt, wie es dazu kam, was Unternehmen daraus lernen können – und welche Maßnahmen jetzt zählen.
Der Mittelstand lebt von Verlässlichkeit, gewachsenen Geschäftsbeziehungen und klaren Prozessen. Umso erschütternder ist es, wenn genau diese Strukturen durch digitale Angriffe ins Wanken geraten. Ein aktueller Vorfall aus dem Maschinenbausektor zeigt, wie gefährlich Sicherheitslücken in alltäglichen Abläufen werden können – und wie raffiniert Cyberkriminelle heute vorgehen.
Ein realer Fall
Ein mittelständisches Unternehmen verschickte wie gewohnt eine Rechnung über einen fünfstelligen Betrag an einen seiner langjährigen Kunden. Alles lief nach Plan – der Kunde bestätigte die Rechnung und tätigte unmittelbar darauf die Zahlung. Doch beim Rechnungssteller kam das Geld nie an. Ein Missverständnis? Ein Fehler in der Buchhaltung? Weit gefehlt.
Als beide Seiten nachhaken, zeigt sich schnell: Der Betrag wurde überwiesen, aber auf ein anderes Konto. Die Bankverbindung auf der Rechnung, die der Kunde erhalten hatte, war nicht dieselbe, die ursprünglich verschickt worden war. Die IBAN war manipuliert worden – ein Fall für die Polizei. Diese stellte nach ersten Ermittlungen fest: Die Rechnung wurde auf dem Weg zum Kunden abgefangen, die Kontodaten verändert und die Nachricht dann weitergeleitet – ein klassischer Man-in-the-Middle-Angriff und Rechnungsbetrug.
Die Täter hatten offenbar Zugriff auf die eMail-Kommunikation. Entweder war eines der E-Mail-Konten kompromittiert oder es wurde ein unsicherer Mailserver genutzt. In jedem Fall konnten sie den Nachrichtenverkehr manipulieren, ohne sofort entdeckt zu werden. Das Geld landete auf einem sogenannten Mule-Konto und war wenig später nicht mehr auffindbar. Die Folge: Der Gläubiger ging leer aus, der Kunde hatte bereits bezahlt – und der finanzielle Schaden war real.
Besonders kritisch: Solche Angriffe treffen den Mittelstand zunehmend häufiger. Viele Unternehmen verlassen sich auf gängige Prozesse, ohne dass diese gegen moderne Cyberbedrohungen ausreichend geschützt sind. Rechnungen werden als PDF per E-Mail verschickt, Bankverbindungen nicht verifiziert, E-Mail-Konten ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung betrieben. Angreifer wissen das – und nutzen es gezielt aus.
Man-in-the-middle – was tun?
Was kann man tun? Zunächst einmal: sensibilisieren. In vielen Unternehmen fehlt schlicht das Bewusstsein für diese Art von Angriffen. Die Einführung sicherer Kommunikationskanäle, wie etwa verschlüsselte E-Mails, digitale Signaturen für Rechnungen oder strukturierte Prüfprozesse für eingehende Zahlungen, sind erste wirkungsvolle Schritte. Ebenso unverzichtbar ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung für E-Mail-Konten – eine der einfachsten, aber effektivsten Schutzmaßnahmen.
Auch organisatorisch lässt sich viel bewegen. Mitarbeitende sollten regelmäßig geschult werden, um verdächtige E-Mails zu erkennen und im Zweifelsfall Rücksprache mit dem Absender zu halten. Kunden wiederum sollten bei Rechnungen mit hohen Beträgen oder neuen Bankverbindungen aktiv dazu angehalten werden, telefonisch zu verifizieren – ein kurzes Gespräch kann zehntausende Euro retten.
Der geschilderte Vorfall macht deutlich, dass der Schutz vor Cyberkriminalität längst keine reine Frage für ‚Konzerne mit eigener IT-Abteilung‘ ist. Die Gefahr ist im KMU-Bereich angekommen und betrifft alle Unternehmen. Besonders jene, die auf Vertrauen und langfristige Geschäftsbeziehungen setzen. Digitale Sicherheit muss zur Priorität auf Entscheiderebene werden, bevor es zu spät ist.
Neben Effizienz und Geschwindigkeit birgt die Digitalisierung auch neue Gefahren. Wer auf verlässliche Geschäftsprozesse setzt, muss auch deren Sicherheit im Blick haben. Denn ein kleiner ‚Fehler‘ kann heute große Schäden verursachen – finanziell und natürlich auch bezogen auf den guten Ruf. Nutzen Sie diesen Vorfall als Anlass, Ihre Prozesse zu hinterfragen und sich zukunftssicher aufzustellen.
Sie möchten wissen, wie sicher Ihre Rechnungsprozesse sind? Wir bieten eine unverbindliche Ersteinschätzung Ihrer digitalen Sicherheitsmaßnahmen – praxisnah, verständlich und maßgeschneidert für den Mittelstand.