2. April 2026

Agentic AI – Die ‚mitarbeitende KI‘ braucht smarte Infrastruktur

Agentic AI - Segen und Gefahr

Agentic AI verändert gerade grundlegend, wie Software mit unternehmerischer IT interagiert: Sie handelt eigenständig, greift auf Daten zu und trifft Entscheidungen. Was nach Effizienz klingt, birgt aus forensischer Sicht ein massives Risiko. Denn je tiefer diese Systeme in unsere Infrastruktur eingebunden sind, desto größer wird die Angriffsfläche. Und desto schwieriger wird es, Kontrolle und im Schadensfall Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten. Wir bringen hier gerne unsere bescheidene Perspektive zu Gefahren den Risiken des Einsatzes von Agentic AI im Business. Um es vorweg zu nehmen: die Technologie ist langfristig nur in vollständig kontrollierten, abgeschotteten Umgebungen zu verantworten.

Ein Kollege hatte jüngst einen Fall auf dem Tisch, der zunächst unspektakulär wirkte. Ein Unternehmen stellte fest, dass sich Daten innerhalb der eigenen Systeme ungewöhnlich bewegten. Keine typischen Hinweise auf einen externen Angriff, keine kompromittierten Accounts, keine klaren Spuren. Logs wirkten sauber, Zugriffe sahen legitim aus. Je länger man analysierte, desto klarer wurde: Hier hatte kein klassischer Angreifer gearbeitet. Die Aktivitäten bewegten sich im Rahmen dessen, was das System ‚durfte‘. Prozesse liefen regulär, Befehle wirkten plausibel, Datenflüsse waren technisch erklärbar – aber in ihrer Gesamtheit ergaben sie ein Bild, das so nie vorgesehen war. Was die Kollegen beobachten durften, war/ist genau das Szenario, das mit dem Aufkommen von Agentic AI zur neuen Realität wird. Gefahren durch fakrisch mitarbeitende und Entscheidungen treffende KI.

Agentic AU – vom Werkzeug zum Akteur

Zugegeben, es klingt für uns etwas ‚offtopic‘, weil vorbeugende Maßnahmen etwas für Datenschutzbeauftragte und/oder IT’ler im Unternehmen sind. Was sich gerade vor unseren Augen entwickelt, ist allerdings keine normale Software-Einführun mehr, wie man es früher verstand. Wir reden von KI-Systemen, wie sie heute von Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic vorangetrieben werden und sich gerade unter dem Begriff ‚Agentic AI‘ einen Namen machen. Agentic steht selbstredend für ‚Agent‘ ud damit KI, die eigene Entscheidungen treffen kann in einem gewissen Korridor. Die dies aber teils autark tut. Mit allen absehbarenund unabsehbaren Folgen. Oder anders: Diese ‚Tools‘ sind nicht mehr nur Werkzeuge im eigentlichen Sinne. Sie agieren zunehmend eigenständig.

Agentic AI kann je nach Erlaubnissen auf Dateisysteme zugreifen, Code ausführen, Prozesse anstoßen und Entscheidungen treffen. Oft geschieht das ohne, dass jeder einzelne Schritt explizit kontrolliert oder nachvollzogen wird. Genau das macht diese Systeme so leistungsfähig. Und gleichzeitig so riskant. Dabei reden wir vor allem von gehackten Systemen oder Infrastruktur, die dann viel zu viel Schaden anrichten kann. Aus unserer Sicht beginnt hier eine neue Kategorie von Sicherheitsfragen. Nicht mehr ‚Wer hat Zugriff?‘ – sondern: ‚Was passiert, wenn ein System selbst handelt oder über Schadcode aufgefordert wird?‘ Das Zauberwort lautet hier ‚Prompt Injection‘, also die ‚Injektion‘ von Befehslzeilen mit Befehlen die im Rahmen der Agentic AI Befugnisse extrem schädlich sein können.

Warum Zugriff immer ein Risiko bleibt

In der digitalen Forensik gilt ein Grundsatz, den wir immer wieder bestätigt sehen: Alles, worauf zugegriffen werden kann, wird früher oder später auch genutzt – beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Wenn im Rahmen der Agentic AI Ansätze eine KI tief in Systeme integriert ist, mit APIs arbeitet, Tokens nutzt oder lokale Verzeichnisse einsehen kann, entsteht eine Komplexität, die kaum noch vollständig kontrollierbar ist. Denn diese Systeme sind nicht deterministisch. Sie kombinieren Kontext, interpretieren Situationen und generieren daraus eigenständig Handlungen. Das führt zu einem entscheidenden Punkt: Aktivitäten lassen sich jetzt nicht mehr vollständig durchschauen geschweige denn langfristig vorhersagen.

Die unsichtbare Angriffsfläche

Klassische Angriffe hinterlassen Spuren. Sie sind oft laut, auffällig oder zumindest rekonstruierbar. Agentische Systeme hingegen bewegen sich innerhalb legitimer Prozesse. Sie erzeugen keinen ‚falschen‘ Traffic, sondern ‚plausiblen‘. Sie handeln nicht außerhalb des Systems, sondern innerhalb seiner Logik. Für die Forensik bedeutet das eine neue Dimension von Unsicherheit. Denn plötzlich verschwimmen die Grenzen zwischen normalem Verhalten und sicherheitsrelevanten Ereignissen. War es ein Mensch? War es ein System? War es gewollt? Schwierig.

Ein besonders kritischer Punkt ist der Einsatz solcher Systeme in offenen Cloud-Umgebungen. So komfortabel und skalierbar diese Modelle sind. Sie bringen einen grundlegenden Nachteil mit sich: den Verlust von Kontrolle. Daten verlassen die eigene Infrastruktur, Verarbeitung findet auf fremder Hardware statt, und selbst bei höchsten Sicherheitsstandards bleibt ein Teil der Prozesse intransparent. Aus unserer Sicht entsteht hier ein strukturelles Problem. Im Ernstfall zählt nicht, was theoretisch abgesichert ist, sondern eben was praktisch nachvollziehbar und dokumentierbar ist. Die Lösung: eigenständige Hardware, die komplett entkoppelt ist.

Ergo: Isolation kein Luxus, sondern Voraussetzung ist

Wir sind keine hauptberuflichen Datenschützer. Dennoch wagen wir uns vor und geben zu bedenken – wenn Unternehmen Agentic AI sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen wollen, führt aus unserer Sicht kein Weg an einer klaren Architekturentscheidung vorbei: Isolation und eigene Hardware. Abstrakt gesprochen – und wir gehen hier bewusst nicht ins Detail – Agentic AI sollte stets auf eigener Hardware oder in strikt abgeschotteten Serverumgebungen betrieben werden. Nur dort besteht die Möglichkeit, Datenflüsse zu kontrollieren, Zugriffe präzise zu steuern und im Ernstfall lückenlos zu analysieren.

Fakt: Alles andere bleibt ein Kompromiss – und Kompromisse sind im Bereich Datenschutz und IT-Forensik selten eine gute Idee.

Eine entscheidende Frage, die sich unternehmerische Entscheider stellen sollten im Kontext Agentic AI lautet aus unserer Sicht: Was passiert, wenn diese Systeme mehr sehen, als sie sollten? In Umgebungen zu viele Optionen haben? Genau das wird in ZUkunft wenn wir nicht aufpassen kein Ausnahmefall, sondern eine logische Konsequenz ihrer Funktionsweise sein. Abschottung bzw. Ausdifferenzierung tut Not.

Agentc AI: Fortschritt braucht Kontrolle

Die Agentic AI ist zweifellos eine der spannendsten technologischen Entwicklungen unserer Zeit. Open Claw und Claude Code – um nur zwei relevante zu nennen – deren Potenzial ist enorm. Doch genau deshalb müssen wir uns ebenso klar mit den Risiken auseinandersetzen. Mehr Autonomie bedeutet mehr Verantwortung. Mehr Zugriff bedeutet mehr Angriffsfläche. Und mehr Intransparenz bedeutet weniger Kontrolle. Ergo: Agentic AI nur in Umgebungen, in denen die vollständige Kontrolle über Daten, Prozesse und Infrastruktur gewährleistet ist. Alles andere ist kein technologischer Fortschritt – sondern ein Risiko, dessen Tragweite viele heute noch unterschätzen.

6. Dezember 2024

Werden WiFi Router zu smarten Überwachungs-Devices? Eine Bestandsaufnahme

WIFI zur Überwachung mißbraucht

Forscher der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh haben einen Weg gefunden, mit einem handelsüblichen Wi-Fi-Router eine bildliche Überwachung von Innenräumen zu generieren. Die Technologie nutzt neuronale KI-Netze und Deep Learning, um Wi-Fi-Signale zu analysieren und daraus dreidimensionale Bilder bzw. auch bewegliche Ganzkörperbilder von Personen zu erstellen.
Bewegungen könnten so künftig möglicherweise ohne Wissen oder Zustimmung der Betroffenen überwacht werden, selbst wenn sie sich hinter Wänden befinden. Datenschutzrechtlich liegt hier eine ebenso spannende wie potenziell kontroverse Thematik vor, sowohl in ethischer als auch technologischer und regulatorischer Hinsicht.

Die eigentliche Meldung ist schon ein paar Wochen alt – die Auswirkungen der daraus abzuleitenden Folgen steckt noch in den staunenden, sprichwörtlichen Kinderschuhen. Das Forschungsteam der Pittsburger Uni verwendete drei Wi-Fi-Sender, die in einem ‚TP-Link-Archer-A7-AC1750‘ Wi-Fi-Router eingebaut waren. Durch die Platzierung des Routers in einem Raum mit mehreren Personen konnten sie anhand der von den Personen zurückgeworfenen Wi-Fi-Signale dreidimensionale Bilder erstellen. Diese Ergebnisse sind alarmierend, da sie darauf hindeuten, dass Wi-Fi-Router potenziell als Überwachungsgeräte eingesetzt werden könnten, ohne dass sichtbare Kameras erforderlich sind. Fakt ist: die Technologie könnte sowohl die Privatsphäre schützen als auch medizinische Anwendungen ermöglichen. Sie birgt jedoch erhebliche Risiken für den Datenschutz. Besonders alarmierend ist, dass sie in der Lage ist, ‚ungewöhnliches Verhalten‘ zu erkennen (wer definiert das und wozu?) und potenziell – das klingt fast positiv – Einbrüche zu identifizieren.

Die Grenzen der Technologie, Stand 2024

Es wird derzeit beobachtet, dass bei drei oder mehr Personen im Raum die ‚Genauigkeit der Überwachung‘ sinke, so die Pressemitteilung. Gleiches gelte für oder bei ungewöhnlichen Körperhaltungen der Personen. Das Forschungsteam plane jedoch, so heißt es weiter, diese Schwächen zu beheben und die Präzision weiter zu steigern. Schöne, neue Welt: Wi-Fi-Router könnten damit nicht nur der drahtlosen Vernetzung dienen, sondern auch als Überwachungsinstrumente fungieren. Besonders im Business-Kontext und im Zusammenhang mit Werkspionage und Datenabfluss ist diese Entwicklung besorgniserregend und erfordert Wachsamkeit von Unternehmen und Einzelpersonen. Es ist essenziell, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein und gezielt Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Maßnahmen zum Selbstschutz

Eine besonders viel versprechende Maßnahme gegen diese Form der Spionage ist die Nutzung moderner Verschlüsselungsstandards wie WPA3. So wird heute noch eine sehr sichere Kommunikation zwischen Geräten gewährleistet. Regelmäßige Überprüfung der Netzwerke und die Installation von Sicherheitsupdates für Router und andere Geräte sind ebenso wichtig. Darüber hinaus erhöht ein starkes Passwort die Sicherheit – diese Erkenntnis sollte obligatorisch und selbsterklärend sein. Das Ersetzen von Standardpasswörtern durch komplexe Passwort-Phrasen und Akronym-Ketten mit Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen kann unbefugtem Zugriff noch recht gut vorbeugen. Unternehmen sollten zusätzliche Schutzmechanismen wie Firewalls oder Intrusion Detection Systems einsetzen, um verdächtige Aktivitäten zu erkennen und zu blockieren. Zudem gilt: Schulungen für Mitarbeiter können das Bewusstsein für diese Risiken schärfen und Sicherheitsvorfälle minimieren.

Gedanken, Einschätzung. konkrete Empfehlungen

Aus der Perspektive des IT-Forensikers ist die hier vorgestellte Technologie sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Die Möglichkeit, Bewegungen und Aktivitäten in Innenräumen durch Wi-Fi-Signale zu visualisieren, eröffnet zwar innovative Anwendungsbereiche. Sie birgt jedoch darüber hinaus erhebliche Risiken für den Datenschutz und die Privatsphäre. Unternehmen sollten sich proaktiv mit dieser Technologie auseinandersetzen, um mögliche Missbrauchsszenarien frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

  • Aufklärung und Sensibilisierung: Schulen Sie Ihre Mitarbeiter zu den Potenzialen und Gefahren neuer Technologien wie dieser und etablieren Sie klare Richtlinien zur Nutzung.
  • Technologische Schutzmaßnahmen: Prüfen Sie, wie Ihre bestehenden Wi-Fi-Systeme konfiguriert sind, und setzen Sie Mechanismen ein, die unautorisierte Signalanalysen erschweren oder verhindern.
  • Datenschutz-Compliance: Evaluieren Sie Ihre Datenschutzrichtlinien und sorgen Sie dafür, dass diese auch im Umgang mit neuen Technologien wie Wi-Fi-basierten Überwachungsansätzen aktuell bleiben.
  • Risikomanagement: Entwickeln Sie Szenarien, wie diese Technologie missbraucht werden könnte, und implementieren Sie Maßnahmen, um solche Risiken zu minimieren. Dazu gehören etwa regelmäßige Audits und Sicherheitsbewertungen.

Nur durch eine Kombination aus technologischem Verständnis, organisatorischer Weitsicht und ethischer Verantwortung können Unternehmen sich auf die Herausforderungen vorbereiten, die solche Innovationen mit sich bringen. Die richtige Balance zwischen Fortschritt und Schutz der Privatsphäre zu finden, ist nicht nur eine unternehmerische Notwendigkeit, sondern auch eine moralische Verpflichtung.

Proaktives Handeln ist entscheidend, um Wi-Fi-Netzwerke vor Missbrauch zu schützen. Durch effektive Sicherheitsmaßnahmen und regelmäßige Kontrollen können Unternehmen und Privatpersonen ihre Privatsphäre bewahren und sensible Daten besser sichern.