15. Mai 2024

Cybersicherheit und KI – Indifferente Zustände bei Europas Industriebetriebe

Cybersicherheit und ki

Heute werfen wir einen Blick auf eine alarmierende Studie von Cisco. Die Daten zeigen, wie schlecht Europas Industriebetriebe wirklich auf Hackerangriffe vorbereitet sind. Es klingt erschreckend, aber nur zwei Prozent der Unternehmen sind wirklich gut gerüstet. Bei 17 Prozent leigt zumindest ein ‚gewisser Schutz‘ vor. Bei über 80 Prozent hingegen bestehe dringender Handlungsbedarf. Aber der Reihe nach:

Die Stichworte lauten Cybersicherheit und KI. Wie gut sind Europas Industriebetriebe im Branchenvergleich? Gemäß einer dpa-Meldung schneidet die Industrie bei der Vorbereitung auf Hackerangriffe eher mittelmäßig ab. Wie zu erwarten ist, stehen Technologie-Anbieter mit 28 Prozent guter oder sehr guter Vorbereitung am besten da. Gefolgt werden diese von der Finanzbranche mit 23 Prozent. Auf globaler Ebene sehe es für Europas Industrie ebenfalls düster aus. In den USA sind 29 Prozent der Industriebetriebe gut oder sehr gut geschützt. Das sind immerhin zehn Prozentpunkte mehr als hierzulande. Besonders schlecht abgesichert sind in Europa Bildungseinrichtungen und das Gesundheitswesen.

„Das sind wirklich erschreckende Daten“, konstatiert Christian Korff von Cisco Deutschland. Die europäische Industrie sei an vielen Stellen einfach zu leicht verwundbar, was ernsthafte Gefahren für den Standort bedeuten könnte. „Eine solide Cyberabwehr kann heute über das Fortbestehen von Unternehmen entscheiden,“ betont Korff, der als CDU-Mitglied in einschlägiger Verantwortung steht. Der Mann ist seit Mai 2019 als Managing Director Enterprise bei Cisco für internationale Großkunden in Deutschland zuständig, wo Cisco global agierende Großkonzerne betreut. Korff ist darüber hinaus Leiter der Bundesfachkommission „Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0“ im Wirtschaftsrat der CDU.

Cybersicherheit und KI – Selbstüberschätzung?

Cisco hat für diese Studie weltweit mehr als 8.000 Führungskräfte befragt, davon knapp 2.000 aus Europa und 214 speziell aus der Industrie. Ein interessantes Ergebnis: Viele Unternehmen überschätzen sich selbst. Fast 80 Prozent der befragten Manager glauben, dass sie gut gegen Cyberattacken gewappnet sind, obwohl 72 Prozent gleichzeitig damit rechnen, dass es in den nächsten ein bis zwei Jahren zu einer Betriebsunterbrechung durch einen Hackerangriff kommen könnte. „Das ist schon beeindruckend“, kommentiert Korff. „Die Unternehmen fühlen sich sicher, obwohl sie eigentlich schlecht vorbereitet sind.“ Kognitive Dissonanz? Das wäre kein guter Rat bei einer solch kritischen Infrastruktur-Frage. Ein Hauptgrund für das schlechte Abschneiden vieler Industriebetriebe ist laut Korff die Langlebigkeit der heutigen Produktionsanlagen. Manche Maschinen laufen tatsächlich noch immer mit Betriebssystemen wie Windows 95 oder 98. Solche Infrastrukturen sind freilich nicht ‚auf dem neuesten Stand der Technik‘ und in Folge dessen schwer nachzurüsten. „Die alten Systeme machen es extrem schwierig, moderne Sicherheitstechnologien einzubauen“, so Korff.

Lichtblick Künstliche Intelligenz?

Etwas besser sieht es beim Thema Künstliche Intelligenz aus. Hier sind 34 Prozent der Industriebetriebe gut oder sehr gut aufgestellt. Aber es bleibt viel zu tun: Zwar haben 64 Prozent der Betriebe eine KI-Strategie, doch nur 34 Prozent verfügen über die nötige technische Infrastruktur, um KI wirklich einsetzen zu können. „Wenn ein Drittel der Unternehmen noch keine KI-Strategie hat“ werde Christian Korff angst und bange. Schließlich handele es sich bei KI um eine der zentralen Technologien der Zukunft. In punkto Management sei hier an Visionäre wie Thomas Watson erinnert, der 1943 konstatierte: „Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt.“ Oder auch an Charles Duell, Chef des amerikanischen Patentamtes, der 1899 beteuerte: „Alles, was erfunden werden kann, wurde bereits erfunden.“ Die Erkenntnis: wer nicht visionär mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Auch das ist ein bekanntes Sprichwort.

Im Zuge der Studie und gemäß dpa wird Christian Korff als eindringlicher Warner zitiert. Die Fertigungsindustrie müsse vor allem aufpassen, die beiden technologischen Megatrends Cybersicherheit und KI nicht zu verschlafen. Das sei existenziell für die europäische Wirtschaft, so Korff: „Wenn wir nicht in der Lage sind, KI zu nutzen und uns gleichzeitig vor KI-Angriffen zu schützen, werden wir die nächste Dekade nicht überstehen.“ Korff meint das sowohl volks- als auch betriebswirtschaftlich.


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